Berufserfahrung



  • Hallo!

    Hab neben meinem Studium ca. 2-3 Jahre Berufserfahrung in der Softwareentwicklung sammeln können.
    Dabei handelt es sich allerdings nicht um Vollzeitjobs.
    Einmal war ich ein paar Monate auf der Uni angestellt, das andere Mal hab ich ca. 10-20h pro Woche in einem Softwareunternehmen gearbeitet.

    Wie sieht es nun bei den Stellenausschreibungen aus?
    Wenn dort steht, dass "erste Berufserfahrung" oder "3 Jahre Berufspraxis" gewünscht ist, so kann ich mich dort doch ohne Probleme bewerben, oder?

    Und wie schauts bei den Qualifikationen aus?
    Ich hab durch Uni und Nebenjobs hauptsächlich in C, Java, Delphi und VBA gearbeitet. Diese Sprachen kann ich ganz gut, wobei ich von den Sprachen C am besten kann.
    Weiters war ich auf einem C# Kurs von der Firma aus, konnte das Wissen aber nur daheim in kleinen (Mini-)Hobbyprojekten festigen da sich projektmäßig einiges verschoben hat.

    Nagut. Wie erkenne ich nun, was bei den Jobs wirklich gefordert wird, und was ein Nice to have ist?
    Weil die meisten Angebote hätten ja am liebsten gleich alles, also jemanden, der alles kann. Das schreckt mich ab.
    Gleichzeitig erfahre ich von Kollegen dann wieder, dass sie bei Jobs genommen wurden, obwohl sie bei den halben Sachen nicht mit der Wunschliste übereinstimmen.
    Schön langsam glaub ich, es ist am besten, wenn man so frech ist und sich einfach bewirbt, auch wenn man die Qualifikationen bzgl. Fachwissen und Berufserfahrung nicht erfüllt.



  • Mein C++ Account schrieb:

    Schön langsam glaub ich, es ist am besten, wenn man so frech ist und sich einfach bewirbt, auch wenn man die Qualifikationen bzgl. Fachwissen und Berufserfahrung nicht erfüllt.

    So ist es. Wir leben in einer Hochstapler-Gesellschaft. Grunderfahrungen in der Sache X werden bei der Bewerbung zu "sehr guten Kenntnissen" und im Umkehrschluss pusht jede Hinterhof-Firma ihre Stellenausschreibung zum Nonplusultra-Jobangebot im besten und aufstrebendsten Unternehmen der Welt mit den besten Möglichkeiten und Aufstiegschancen überhaupt. BWL-Geschwaller halt.

    C'est la vie ...



  • Mein C++ Account schrieb:

    Schön langsam glaub ich, es ist am besten, wenn man so frech ist und sich einfach bewirbt, auch wenn man die Qualifikationen bzgl. Fachwissen und Berufserfahrung nicht erfüllt.

    Darauf gibt es keine eindeutige Antwort.

    Ich war so frech, meine 24 Sprachen, in denen ich auf der Hochschule eine 1 hatte oder ein erfolgreichen Projekt abgeschlossen hatte, als "befriedigend" oder "gut" oder wenn sie noch sehr aktiv war als "sehr gut" anzukreuzen und der Leiter der Programmierabteilung, der sinvollerweise dabei ist, hatte als einziges Ziel, mich rauszukugeln. Ich sah ihn und mir war klar, daß ich ihn binnen sechs Monaten ersetzten würde. Ihm war es schon länger klar, dank ungeschickter Bewerbung. Irgend eine Aufgabe in VB, zwei parallele gleich breite Panels oder so, selbstverständlich sehe ich den Rundungsfehler und berechne so, daß das Überhangpixel gegebenenfalls im Zwischenbereich landet und die Panels echt gleich breit bleiben. Ich hatte eigentlich gedacht, daß er mich jetzt lobt. Mathefux oder so. Das hat der Bub jedoch gar nicht verstanden. Aber als ich dann durch die Properties scrollte, wie das denn genau heißt, was ich setzen will, hat er angefangen, dem Chef zu verblubbern, daß man sich sowas im Einsatz vor dem Kunden auf gar keinen Fall leisten könne. Da habe ich dann kapiert, daß ich mir die Spritkosten auch hätte sparen können.

    Aber ich war auch schon eingestellt, wo dabei der Arbeitgeber sagte, ich hätte viel viel mehr angeben sollen, er würde erwarten, daß man da voll übertreibt.

    Sehr viele Informatiker sagen, daß sie voll gelogen haben und es kein Schaden war. Sehr viele Informatiker sagen, daß sie von den 25 Anforderungen doch nur 5 benutzen.
    Eventuell eine Folge der Durchdrungung der BWL-er in die Informatik.

    Du mußt also wohl Dich an das Unternehmen anpassen. Ich schlage vor, Du schaust die Internetpräsentation ein. Mehr Krawatten und Buzzwords => mehr hochlügen.



  • Die Firmen versuchen mit solchen Sachen in der Stellenbeschriebung ja auch nur die Spreu vom Weizen weiter zu trennen. Den perfekten Programmierer, der da immer gesucht wird, gibts wirklich selten.

    Immer dran denken, in Deutschland werden Fachkräfte gesucht. Alle Firmen suchen Leute mit Berufserfahrung, bloß haben die meisten keine. Die Anderen mit Berufserfahrung werden meist schon so im Unternehmen gehalten, dass sie sich nirgends anders bewerben wollen.

    So wie du dich da geschildert hast, hört es sich auf jeden Fall engagierter und erfahrener an, als bei anderen, die sich da auch bewerben würden.



  • Danke für die Antworten.
    Ist ja tatsächlich so wie ich es fast schon vermutet habe!



  • Ja, es ist so.

    Ich suche ja auch schon seit 3 Jahren jemanden. Arbeitsamt ? Vergiß es. Annoncen ?
    Schwierig. Was halbwegs funktioniert ist der Buschfunk, es sind keine Leute zu kriegen.
    Stellenbeschreibungen sind Schall und Rauch, Selbstdarstellung des Unternehmens,
    nicht Deines späteren Arbeitsplatzes.

    Du kannst dem potentiellen Arbeitgeber erzählen was Du willst. Ob das alles dann
    wirklich so hinhaut merken beide Seiten eh erst nach Monaten.



  • Tja, und wenn der Arbeitgeber es merkt, dann wird der Kollege "gegangen" - so einfach ist das.
    🙄



  • abc.w schrieb:

    Tja, und wenn der Arbeitgeber es merkt, dann wird der Kollege "gegangen" - so einfach ist das.
    🙄

    Was ist daran verkehrt?

    Wenn jemand nicht das kann, was er vorgab, und damit die Stelle nicht ausfüllen kann - wer hat einen Nutzen davon, wenn er in der Position verbleibt? Eine Trennung ist doch konsequent.

    Du gibst Deine Stereoanlage ja auch im Laden wegen eines Mangels zurück, wenn einige der Funktionen nicht laufen. Da pochst Du auf Vertragserfüllung, und reklamierst.

    Letztlich geschieht das mit der Kündigung in der Probezeit aber ohnehin selten genug, in der Realität sind die Anforderungen oftmals viel niedriger als in der Stellenanzeige gefordert, so daß es gar nicht auffällt, daß die Person nicht das kann, was sie vorgab zu können. 🤡



  • Mich stört an diesen ganzen Stellenausschreibungen, dass immer Technologiekenntnisse gefragt sind. Man hat den Eindruck, dass bei allen typischen Softwarejobs überhaupt keine Komplexität vorliegt und man jedes Softwareproblem automatisch lösen kann, falls man Java, XML und HTML beherrscht (mal als Beispiel).

    Traurigerweise scheinet das bei vielen Jobs sogar zu stimmen, zumindest habe ich inzwischen diesen Eindruck.

    Aber was sind Technologiekenntnisse groß wert? Ich kann denken und ich kann programmieren. In welcher Sprache ist doch egal, bei der einen brauch ich ein paar Tage bis ich durchstarten kann, in der anderen könnte ich sofort loslegen. Aber spätestens bei den verwendeten Frameworks ist es unwahrscheinlich, dass ich diese wie meine Westentasche kenne.

    Wird auf Technologiekenntnisse wirklich so viel wert gelegt im Fall, dass der Bewerber (sehr) gute Studienleistungen hat und schon praktische Erfahrung im Rahmen von Hiwi-Tätigkeiten nachweisen kann? Ich würde bei den meisten gefragten Technologien "kenne ich" angeben, obwohl ich damit schon gearbeitet habe, da es einfach ewig her ist bzw. ich jetzt sofort nicht damit arbeiten könnte ohne dabei Nachzuschlagen. Aber etwas mit dieser Technologie umsetzen könnte ich (eben mit Nachschlagen), zum Beispiel habe ich vor 10 Jahren mal Perl benutzt und seither nie mehr, dementsprechend kann ich davon kaum noch was. Ein Skript lesen geht ganz gut und erst in diesem Jahr habe ich recht erfolgreich in Perl ein wenig programmiert, aber ein Programmierquiz würde ich wohl kaum bestehen, da ich mehr passives und wenig/kaum noch aktives Wissen über Perl habe. Was macht ihr in solch einem Fall? Was gebt ihr dann als Kenntnisstand an?

    Und mal ehrlich, wenn ich einen tollen Job gefunden hätte bei dem ich die Sprache nicht gut kann, da würde ich diese wohl nach Unterschreiben des Arbeitsvertrages mir in der Freizeit bis Arbeitsbeginn schonmal anschauen. Tun vermutlich die meisten, die wirklich mit Begeisterung dabei sind, oder?



  • Solche Stellenausschreibungen werden ja nicht unbedingt immer von technisch versierten Menschen geschrieben. Für den Personalchef ist es halt nunmal so, dass man mit nem Autoführerschein noch keinen LKW fahren kann... für die Sprache Java soll also auch unbedingt der "Java-Führerschein" vorhanden sein, egal ob man schon ewig mit ähnlich objektorientierten Sachen wie z.B. C# etc. rumgedillert hat.

    Bei uns im Studium wird zwar schon darauf gepocht, dass der Ansatz "kapieren statt kopieren" verfolgt wird, aber das gilt halt nicht für alle Berufsrichtung als praktikabel.

    In dem Bewerbungsanschreiben sollte man ja sowieso klar stellen inwiefern man für den Job geeignet ist. Wenn man dann schon 10 Jahre zurückliegende Erfahrung hat, dann kann man diese doch auch so nennen. Was man damals schon einigermaßen kapiert hat, kann dann auch mit kleiner Anstrengung wiedererlangt werden.
    Am Ende wird dann eh kaum ein Bewerber kommen, der alle Anforderungen genau wie gewünscht erfüllt. Da denke schadet es auch nicht ehrlich zu sein und halt nur die 80% der Anforderungen auf der Stellenausschreibung so einigermaßen zu erfüllen.


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